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ISBN/EAN: 978-3-0369-5060-0
Einband: gebundenes Buch
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Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
304 S.
Format (T/L/B):
2.7 x 22 x 15 cm

Hersteller:
Kein & Aber AG
Kein & Aber Verlag, Württembergallee 12, D-14052 Berlin
berlin@keinundaber.de
Bäckerstrasse 52
CH 8004 Zürich


Importeur:
Kein & Aber Verlag
berlin@keinundaber.de
Württembergallee 12
DE 14052 Berlin

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Rebellinnen zu Fuß

Auf den Spuren von elf literarischen Wanderinnen

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Beschreibung

Es ist kein Zufall, dass Caspar David Friedrichs berühmtes Bild Der Wanderer über dem Nebelmeer einen Mann zeigt: Der Naturraum wird hier als Männerdomäne markiert. Frauen spielten als historische und literarische Wanderinnen selten eine Rolle. Anneke Lubkowitz, selbst von der Stubenhockerin zur Ausflüglerin geworden, hat sich aufgemacht, ihre Vorgängerinnen aufzuspüren und zu würdigen. Sie nimmt uns mit auf eine Entdeckungsreise voller überraschender Geschichten. Auf ihren Touren begegnet sie: Sophie von La Roche, Bettina Brentano, Karoline von Günderrode, Mary Shelley, Annette von Droste-Hülshoff, Mathilde Franziska Anneke, Emmy Hennings, Else Lasker-Schüler, Simone de Beauvoir, Annemarie Schwarzenbach und Octavia E. Butler. Anhand dieser Frauen zeigt sich, dass Wandern sehr viel mehr ist als das Erobern von Landschaften. Es geht vor allem um Autonomie und Freiheit - und den weiblichen Blick auf die Natur.

Über Anneke Lubkowitz

Anneke Lubkowitz, 1990 geboren, hat in Berlin und Edinburgh Literaturwissenschaften studiert und über Nature Writing promoviert. 2020 erschien die von ihr herausgegebene Anthologie  Psychogeografie.  Als begeisterte Wanderin hat sie verschiedene Texte über Streifzüge durch Berlin veröffentlicht, und auch die Umgebung von Münster, wo sie inzwischen lebt, erkundet sie am liebsten zu Fuß. 

Rezension

»Das Buch zeigt, dass Wandern weit mehr ist als das Erkunden von Landschaften: Es steht für Freiheit, Selbstbestimmung und einen weiblichen Blick auf die Welt.« Radio Dresden, 16.06.2026»Mit eindringlichen Anekdoten vermittelt die Autorin einen weiblichen Blick auf unsere Umwelt. Ein inspirierendes Buch für alle, die beim Wandern nicht nur Landschaften, sondern auch sich selbst entdecken wollen..« Annika Beinvogel, Börsenblatt, 05.02.2026»In 'Rebellinnen zu Fuss' ist Anneke Lubkowitz mit elf schriebenden Wanderinnen unterwegs.« Daniel Anker, Die Alpen SAC, 02.2026»Ein besonderer Reiz des Buches liegt in der Begegnung mit faszinierenden Protagonistinnen der Vergangenheit... eindrucksvoll zusammengetragen. Prädikat: absolut lesenswert.« Jörg Krauthöfer, Berliner Morgenpost, 24.12.2025»Sorgfältige Landschaftsbeschreibungen und persönliche Überlegungen machen das Buch zum mitreißenden Wegbegleiter.« Hannah Krug, SRF Sachbuch Highlights, 16.12.2025»Es ist eine vergnügliche, gleichermaßen informative wie inspirierende und absolut empfehlenswerte Lektüre für Literatur- und/oder Wanderbegeisterte und die, die´s noch werden wollen.« Weiberdiwan, 01.12.2025»Ein Buch, das die Natur und die Literatur feiert, aber vor allem die Frauen, die neue Pfade beschritten haben.« Maria-Christina Piwowarski, MCP Der Literatur-Newsletter, 02.11.2025»Lubkowitz verbindet das Leben der Autorinnen und ihre Liebe zum Wandern und Explorieren mit eigenen Anekdoten. So wird das leicht zu lesende Buch noch ein bisschen persönlicher und verbindet die historischen Informationen mit der Gegenwart.« Nina Süßmilch, L-Mag, 31.10.2025»Es geht um mehr als das Unterwegssein und das Entdecken der Welt. Dieses erzählende Sachbuch ist eine Erinnerung an die Freiheit.« emotion SLOW, 23.10.2025»Ihr ungeheuer akribisch und mit spürbarer Lust recherchiertes Buch ist eine veritable literarische Fundgrube, in der die Autorin aufs Gelungenste persönliche Erfahrungen mit Kultur- und Literaturhistorischem verschränkt.« Julia Kospach, FALTER, 15.10.2025»Animiert, selbst loszulaufen!« Freundin, 17.09.2025»'Rebellinnen zu Fuß' ist ein fabelhaft geschriebenes und schön gestaltetes Buch. Es hat einen weiten literatur- und kulturhistorischen Horizont und ist im besten Sinne unterhaltsam und nützlich.« Walburga Hülk, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.09.2025»Anneke Lubkowitz erzählt anhand ihrer Geschichten auch von Mut, Freiheit, Autonomie und dem weiblichen Blick auf die Natur.« Daniela Zinser, Die Welt am Sonntag, 07.09.2025»In 'Rebellinnen zu Fuß' geht es um Autonomie, Neugier und den weiblichen Blick auf die Welt.« Imke Schridde, rbb radio3, 28.08.2025»Lubkowitz verknüpft geschickt die Wanderungen mit den Lebenswegen der Frauen. Frau möchte direkt loslaufen.« EMMA, 21.08.2025»Äußerst erfrischende, informative und nicht zuletzt überaus inspirierende Lektüre, die unterhaltsam philosophierend, manchmal nachdenklich, manchmal heiter mit ironischem Blick samt einer Prise Humor daherkommt ... Absolute Leseempfehlung!« Karoline Pilcz, Buchkultur, 18.08.2025»Ein wunderbares Buch über 'Rebellinnen zu Fuß'.« Roberta De Righi, Abendzeitung München, 16.08.2025»Lubkowitz verknüpft Anekdoten unterhaltsam mit persönlichen Wandererfahrungen. Und nicht zuletzt ist ihr Buch auch eine Aufforderung zum sinnlichen Erleben des Spazierens.« Babina Cathomen, kulturtipp, 13.08.2025»Sie verknüpft Zitate aus den Reiseberichten mit historischen Einordnungen und vor allen Dingen zeigt sie, dass die Wanderinnen nicht nur für sich selbst gewandert sind, sondern auch gesellschaftlich etwas damit bewegt haben.« Kristine Harthauer, SWR Kultur aktuell, 12.08.2025»Die Sprache der Autorin ist lebendig, präzise und pointiert, weit weg vom akademischen Staub.« SRF 2 Kultur kompakt, 11.08.2025»Kapitel für Kapitel purzelt man in die verschiedenen Zeitkapseln der Wanderinnen. Die sorgfältig recherchierten Fakten lassen sich mühelos aufsaugen.« Hannah Krug, SRF 2 Kulturplatz, 11.08.2025»Rebellinnen zu Fuß ist eine leichtfüßige Kulturgeschichte über mutige Frauen, die von gewohnten Pfaden abgewichen sind.« ARTE Journal, 11.08.2025

Leseprobe

1. AUF DEN EIGENEN FÜSSEN SOPHIE VON LA ROCHE Wenn ich das Wort 'wandern' höre, habe ich immer eine bestimmte Szene vor Augen: eine Figur in dunkler Jacke auf den schroffen Felsen eines Gipfels, man sieht nur ihren Rücken, blickt auf gewaltige Nebelschwaden; sie scheint über den Wolken zu schweben, voller Ehrfurcht und Staunen über die Kräfte der Natur - aber auch über ihre eigenen, die sie auf diesen Berg getragen haben. Das Bild, das ich meine, hängt in keiner Galerie, es war lange Zeit auf meinem privaten Facebook-Profil zu finden, und es zeigt mich auf einer mehrtägigen Wanderung durch die schottischen Highlands. Die Stunde, bevor dieses Foto gemacht wurde, hatte ich damit verbracht, aus dem Tal von Glencoe, wo ich in einem durchnässten Zelt übernachtet hatte, in die umliegenden Berge hinaufzusteigen. Der Aufstieg trägt den Namen Devils Staircase . Es handelt sich aber nicht wirklich um eine Treppe, sondern um einen schmalen Geröllpfad, der sich in atemberaubendem Zickzack zwischen den glatten Felsen emporwindet. Als ich oben angekommen war, gab es keinen Fetzen Stoff mehr an mir, der nicht schweißdurchtränkt war. Der Ausblick machte alles vergessen. Eine einmalige Erfahrung, festgehalten in einem Foto, das ein Bekannter mit den Worten 'Wanderin über dem Nebelmeer' kommentierte. Ich weiß nicht mehr, ob ich damals in den Highlands, während ich darauf wartete, dass meine Beine zu zittern und das Blut durch meinen Kopf zu pumpen aufhörten, auch an Caspar David Friedrich und sein berühmtes Gemälde dachte. Es würde mich wundern, wenn ich überhaupt in der Lage gewesen wäre, einen klaren Gedanken zu fassen. Vor allem spürte ich in diesem Moment die Stärke des Berges in mir, empfand Demut und realisierte, dass mein Körper genau für diese Art von Verausgabung gemacht war. Das war eine neue Erfahrung für mich. Obwohl ich auf dem Land aufgewachsen war, nahm meine Karriere als Stubenhockerin schon früh ihren Lauf. Irgendwann zwischen Grundschule und Gymnasium, ungefähr in der Zeit, als ich aufhörte, reiten zu gehen, vollzog sich meine Metamorphose zum Buch-Nerd. Ich verschanzte mich mit der monatlichen Ration Lesestoff aus der Bibliothek in meinem Zimmer und bekam nicht mehr allzu viel mit von der Welt draußen. Meine Teenagerzeit hindurch empfand ich jegliche Form körperlicher Anstrengung als Zumutung und verließ die wohltemperierte elterliche Wohnung im Mehrfamilienhaus nur, wenn es unbedingt notwendig war. Als ich mit achtzehn aus der Provinz nach Berlin zog, um in meinem Literaturstudium endlich all die Bücher lesen zu können, die es in unserer kleinen Kreisbibliothek nicht gab, fiel es mir nicht schwer, in das klassische Großstadtleben einzutauchen. Wie gewohnt verbrachte ich den Großteil meiner Zeit in geschlossenen Räumen, in der WG, im Hörsaal, im Büro; in der Freizeit kamen immerhin Cafés, Literaturkneipen und Clubs hinzu, und manchmal ging ich sogar im Park joggen. Wege legte ich in der Regel mit U- und S-Bahn zurück. Der einzige Unterschied zu meinen Großstadtbekannten war, dass ich zu ihrer Verwunderung Strecken zu Fuß ging, für die sie den Bus nahmen. Die Idee, mir Wanderstiefel anzuziehen, in die Berge zu fahren und bei jedem Wetter auf einer Isomatte in einem winzigen Zelt zu schlafen, lag weit außerhalb meiner Vorstellung, allein schon, weil ich es mir körperlich nie zugetraut hätte. Erst als ich anfing, für meine Doktorarbeit über Naturerfahrungen in der britischen Literatur zu forschen, ein Thema, zu dem mich über Umwege mein Auslandssemester in Edinburgh gebracht hatte, wurde mir klar, dass ich das, worüber ich die ganze Zeit las, eigentlich selbst tun wollte. Schließlich hatte ich schon früher alle Erzählungen geliebt, in denen Leute auf Wanderschaft gingen: Den Hobbit verschlang ich ebenso wie die Bücher von Hermann Hesse, und sogar bei Goethes und Eichendorffs Naturlyrik geriet ich in Entzücken. Auch von Caspar David Friedrichs Landschaften mit ihren einsamen Männlein konnte ich eine Zeit lang nicht genug bekommen. 'Männlein' sagt schon alles: Heute, nachdem mein unermüdlicher Lesehunger mich auch mit feministischer Literatur in Berührung gebracht hat, frage ich mich, ob es wirklich allein an meiner fehlenden körperlichen Robustheit, meiner Persönlichkeit oder der familiären Prägung lag, dass ich nicht früher auf die Idee gekommen bin, wandern zu gehen. Ich befürchte, mir fehlten auch die weiblichen Vorbilder. Es machte eben doch einen Unterschied, dass das berühmteste Wandergemälde einen Mann zeigt. Zwar konnte ich mich beim Lesen problemlos in den jeweiligen Wanderer hineinversetzen, doch fehlte es mir offenbar an Vorstellungsvermögen, daraus zu schlussfolgern, auch als Frau das Gelesene ja in die Tat umsetzen zu können. Die Natur, lernte ich aus den Büchern, die ich las, und den Bildern, die ich in Katalogen oder auf Werbeplakaten sah, war ein Ort für Männer, die wahlweise mit Gehrock und Wanderstab auf Bergen oder mit Cowboyhut und Emaille-Tassen am Lagerfeuer posierten. Es war also höchste Zeit, dass ich mir meine eigene Emaille-Tasse kaufte, einen Wanderführer für den West Highland Way von Glasgow nach Fort William besorgte und mir von einer Freundin, die drei Wochen durch den Himalaja gelaufen war, das Packen von Trekkingrucksäcken erklären ließ. Ein Busticket nach Schottland, 170 Wanderkilometer und zahlreiche Blasenpflaster später war mir das Wandern buchstäblich in Fleisch und Blut übergegangen. Seitdem konnte ich nicht mehr damit aufhören. Fünf Jahre danach, kurz nach meinem dreißigsten Geburtstag, fand ich mich von einem Tag auf den anderen in einem Zustand vollkommener Orientierungslosigkeit wieder. Meine literaturwissenschaftliche Doktorarbeit, die mich die zweite Hälfte meiner Zwanziger hindurch beschäftigt und enorme Kraft gekostet hatte, war verteidigt und auf dem Weg der Veröffentlichung. Und meine Zeit in der Wissenschaft damit endgültig vorbei. Die Welt der Hörsäle und Bibliotheken hatte mir eine Weile Sicherheit gegeben, mich mit ihren Arbeitsbedingungen aber zunehmend erschöpft. Zwischen der Abgabe der Doktorarbeit und ihrer Verteidigung war ich in meinen ersten Job in der 'echten' Arbeitswelt gestartet und, wie ich meinte, prompt an den Überbleibseln meiner akademischen Verkopftheit gescheitert. Wie eine Person, die zielstrebig in ein anderes Zimmer geht und dabei vergisst, was sie da eigentlich tun wollte, hatte ich in den vergangenen Jahren all diese Schritte, die vielleicht einmal eine Karriere hätten werden können, in strammem Tempo und mit festem Glauben, ein Ziel vor Augen zu haben und alles richtig zu machen, absolviert, um festzustellen, dass ich mit einem Mal nicht mehr wusste, wohin ich eigentlich wollte - eben nicht nur in meinem Berufs-, sondern auch im übrigen Leben. Die Situation versetzte mich in Panik. Auf einmal war ich zu der verirrten Frau geworden, vor der ich mich zeitlebens gefürchtet hatte. Eine Coachin, die mich bei der beruflichen Neuorientierung unterstützte, stellte in einem Nebensatz fest, dass für mich der Weg interessanter sei als das Ziel. Sie sagte es auf eine Art, die den Eindruck vermittelte, dass das etwas Gutes oder zumindest nichts Verwerfliches sei. Nachdem ich mein Leben lang in jede Bewerbung das Wort 'zielstrebig' geschrieben hatte, war meine Verblüffung über diese Aussage groß. Wenn ich allerdings daran dachte, wie ich das Wandern für mich entdeckt hatte, war die Beschreibung durchaus treffend. In Schottland hatte ich festgestellt, dass es nichts Schöneres für mich gab, als im Tempo meiner Schritte unterwegs zu sein und nicht zu wissen, was sich hinter der nächsten Wegbiegung verbarg oder wo ich schließlich ankommen würde. Ich liebte das Gefühl, in das mich der Rhythmus der Schritte versetzte, wenn ich mehrere Stunden gegangen war, es war wie Fliegen, nur dass mich nicht die Luft, sondern die feuchte, schwere Erde unter meinen Sohlen und die Brombeeren am Wegrand trugen. Mein Gehirn schüttete nur noch Reime und Serotonin aus. Ich war süchtig...