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Eine Handvoll Küstenglück
eBook - Eine emotionale Wholesome Romance an der Ostseeküste, Neuausgabe / New edition, Neuausgabe / New edition
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Kapitel 1
»Du bist gefeuert«, haut Jens mir um die Ohren, als ich nach dem Meeting an seinem Schreibtisch sitze, weil er mich sprechen wollte. Ich habe wohl mit vielen gerechnet. Mit einer Gehaltserhöhung für die letzten Anzeigen, die ausgezeichnet beim Kunden ankamen oder wenigstens einem Lob, aber garantiert nicht mit einer Kündigung.
»Was bin ich?« Ich bin schockiert.
»Finny, ehrlich, es tut mir leid. Aber was soll ich machen? Wir müssen Stellen abbauen und du bist nun mal zuletzt eingestellt worden«, erklärt Jens kläglich. Er wirkt ungewohnt reserviert.
Ich rümpfe die Nase. »Du wolltest doch, dass ich hier anfange. Du hast mich vor neun Monaten abgeworben und gesagt, ich sei das, was der Firma fehlt. Ich soll meinen Job kündigen und wechseln. Außerdem hast du mich regelrecht dazu überredet und jetzt lässt du mich schnöde fallen?«
Jens steht auf. Er atmet tief durch und nickt beharrlich mit dem Kopf. »Das ist scheiße, verstehe! Noch mal, es tut mir leid! Vielleicht kannst du zurück zu Schilling-Printmedien?«, schlägt er vor, dabei weiß er genau, dass das keine Option ist.
»Ich soll dahin zurück, wo ich mit wehenden Fahnen weggegangen bin? Wo ich meiner Chefin gesagt habe, sie könne mich mal und wo ich eine Tasse habe mitgehen lassen?«
»Du hast eine Tasse mitgehen lassen?«
»Ach, Jens! Das ist mies! Gibt es keine andere Möglichkeit? Komm schon, lass dir etwas einfallen!« Ich brauche diesen verdammten Job. Wenn ich an die Stromnachzahlungsrechnung denke, die noch unbezahlt zu Hause liegt, wird mir übel.
»Das kann ich nicht tun. Wenn ich für dich eine Ausnahme mache, wollen alle eine Sonderbehandlung. Ich muss fair bleiben, Finny. Wirklich, es tut mir leid«, sagt er abermals.
»Und du willst mir jetzt sagen, dass das nichts damit zu tun hat, weil ich dich vor Kurzem verlassen habe?«, hake ich wütend nach.
»Wo denkst du hin? Ich trenne Berufliches und Privates, das weißt du. Das hier hat rein gar nichts mit uns zu tun.«
Ich glaube ihm kein bisschen. Jens hatte ziemlich sauer reagiert, als ich ihm mitteilte, dass ich keine Zukunft für uns beide sehe. Es war nie die große Liebe, sondern eher eine Freundschaft mit Zulage. So zumindest habe ich es gesehen. Jens hingegen teilte mir jedoch mit, dass er mehr für mich empfindet. Er versuchte mich zu überreden, es noch einmal mit ihm zu probieren. Doch mir war klar, dass das zwischen uns nichts wird und ich bin gegangen. Nun, kurze Zeit später kommt die Kündigung. Das kann doch kein Zufall sein.
Schnaubend stehe ich auf und möchte gerade hinausgehen, als Jens sich räuspert, worauf ich stehen bleibe.
»Solltest du vorhaben, hier auch eine der Tassen mitgehen zu lassen, will ich, dass du weißt, dass ich es niemandem verraten werde.«
»Toll. Eine Abfindung«, erwidere ich abschätzig und verlasse sein Büro.
Dämlicher Vollidiot!
Wie konnte es nur so weit kommen? Klar habe ich gesehen, dass einige Stellen abgebaut werden, aber ich war mir sicher, dass ich nicht dazuzähle. Jens selbst hat mich wochenlang überredet, hier anzufangen und dann so was. Er kann mir erzählen, was er will. Es liegt daran, weil sein Ego gekränkt ist.
An meinem Schreibtisch zurück, kommt Linda, meine Kollegin und mittlerweile auch Freundin angerannt.
»Ist es wahr, was ich gehört habe?«, fragt sie atemlos und mit großen Augen und ich nicke nur. »Nein, hör auf. Ich gehe sofort zu Jens und beschwere mich!«
»Dann wirst du auch gekündigt«, warne ich sie.
»Stimmt. Blöde Idee!«, rudert sie verlegen zurück. »Aber was machst du denn jetzt?«
Ich zucke mit den Schultern. »Keine Ahnung. Was soll ich machen? Ich werde mir eine neue Arbeit suchen und das so schnell es nur irgendwie geht. Ich kann es mir nicht leisten, arbeitslos zu sein.«
»Denkst du, er hat dich rausgeschmissen, weil du mit ihm Schluss gemacht hast?«
»Was glaubst du wohl? Natürlich tut er es deswegen. Ich mache einen verdammt guten Job und das weiß er auch!«, betone ich.
»Dann musst du ihn verklagen«, meint Linda.
»Und dann? Was habe ich für Beweise? Es werden doch tatsächlich Stellen abgebaut. Ich habe nichts in der Hand und für Jens wäre es nur ein gefundenes Fressen.« Frustriert verschränke ich die Arme vor der Brust. »Nein, wenn er meint, er bekommt nochmals so eine brillante Mediengestalterin wie mich, dann soll er sich mal auf die Suche machen.«
Linda schaut mich traurig an. »Du wirst mir hier sehr fehlen.«
Nun werde ich ebenso wehmütig. »Du mir auch, Linda. Du mir auch!«
Mit einem Glas Rotwein sitze ich gleich am nächsten Abend auf der Couch, mein Laptop auf dem Schoß und scrolle durch die Stellenangebote. Tatsächlich sieht es ziemlich mau aus, was mich schon wieder frustriert.
Da gibt es eine Stelle als Mediengestalter im Bereich für Digitalmedien von erotischem Spielzeug. Nein, danke. Da fühle ich mich nun wirklich nicht zu Hause. Obwohl ich nicht gerade prüde bin, ist mir das dann doch zu viel des Guten. Eine andere Stelle verweist auf die vielen Sonderzulagen, die sich anscheinend als Obstkorb in den Bürogebäuden tarnen. Dieser soll wohl das unterirdisch schlechte Gehalt rechtfertigen.
Ich schnaufe und trinke einen Schluck aus meinem Glas. So schwer kann es doch nicht sein, einen anständigen und gut bezahlten Job zu finden.
Motiviert und mit dem Bestreben, erst aufzuhören, wenn ich weiß, wie ich die nächsten Rechnungen bezahlen kann, suche ich weiter.
Dann stoße ich auf ein Stellenangebot, das sich interessant liest. Es handelt sich um eine einmonatige Stelle, bei der es darum geht, einem Unternehmer all seine Wünsche zu erfüllen. Offenbar ist dieser ein bekannter Inhaber in der Umgebung, der nicht ganz so einfach zu bedienen ist. Natürlich wird das mit wohlklingenden Worten wie herausfordernd und anspruchsvoll umschrieben. Das Gehalt ist sagenhaft und die Ansprüche und Qualifikationen, die gefordert werden, erfülle ich alle. Der Name des Unternehmens wird allerdings nicht genannt, was mich noch neugieriger macht.
Schnell stelle ich das Glas zur Seite und suche nach dem berühmten Haar in der Suppe. Ein Job, der so gut bezahlt wird und noch nicht vom Markt ist, muss einen Haken haben.
Plötzlich sehe ich das eine Detail, das mir bisher entgangen ist. Diese Stelle befindet sich direkt am Timmendorfer Strand an der Ostsee, sechs Fahrtstunden entfernt.
Sofort lasse ich die Schultern fallen und greife zu der Schokolade, die neben mir liegt. Nachdenklich stecke ich mir ein Stück in den Mund und überlege, an welchem Ort an der Ostsee ich in den Ferien als Kind immer war. Ich weiß, dass meine Großeltern irgendwo ein Ferienhaus haben und dort bin ich in jedem Jahr mit meinen Eltern und meiner Schwester gewesen. Irgendwann waren Anna und ich zu alt dafür und hatten keine Lust mehr, mit unseren Eltern in den Urlaub zu fahren. Schon gar nicht an die Ostsee, die wir ziemlich öde fanden, nachdem wir jedes Jahr dort waren. Wenn ich doch nur wüsste, wie der Ort hieß.
Während ich beginne, mir ein Abendessen zuzubereiten und die Nudeln in das kochende Wasser gebe, ...
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